Systemdenken/-simulation

System Dynamics ist eine Methodik, die Entscheidungsträgerinnen und -träger dabei unterstützt, mittels qualitativen Systemdenkens und quantitativer Systemsimulation ganzheitlich zu denken, um daraus bessere Entscheidungen treffen zu können. Systemdenken bezeichnet einen qualitativen Ansatz, der es in Entscheidungssituationen ermöglicht, mit Hilfe von Kausaldiagrammen Zusammenhänge ganzheitlich zu betrachten. Es ist ein Rahmenkonstrukt, mit dessen Hilfe Wechselbeziehungen anstelle linearer Ursache-Wirkungsketten identifiziert werden können. Die explizite Darstellung von Systembestandteilen und der zwischen ihnen bestehenden komplexen Wirkungsbeziehungen hilft, das oft kontraintuitive Verhalten komplexer, dynamischer Systeme zu verstehen.

Zwar kann Systemdenken die Existenz und Struktur von Systemen abbilden und ein tieferes Systemverständnis ermöglichen. Eine ausführliche Systemanalyse oder die Gestaltung von Entscheidungsregeln zur zielorientierten Einflußnahme auf das Systemverhalten kann sich bei einer ausschließlich qualitativen Analyse jedoch schwierig gestalten, da das dynamische Zusammenspiel der Systemelemente und ihre Verhaltensweisen nicht vollkommen verstanden werden können. Erst die Quantifizierung des Systems, wie sie im System-Dynamics-Ansatz erfolgt, vermag es, die Komplexität zu bewältigen und die Voraussetzungen für die Analyse von Ursachen beobachteter Verhaltensformen zu schaffen. Im Unterschied zum linearen menschlichen Denken können in System Dynamics die sozialen Systemen innewohnende Komplexität, Nichtlinearität und Rückkopplungsstrukturen abgebildet werden. In iterativen Modellierungsschritten werden die in einem Kausaldiagramm erstellten Wechselbeziehungen in ein quantitatives Modell, das auf mathematischen Gleichungen beruht, übertragen. Basis der mathematischen Gleichungen bietet die Integralrechnung. Verschiedene Softwarepakete unterstützen diesen Prozess und ermöglichen die Simulation des Systemverhaltens, um die aus der Struktur entstehende Dynamik zu untersuchen. Im virtuellen Raum eines Simulationsmodells können Entscheidungsträger gefahrlos und schnell unterschiedliche Entscheidungsszenarien unter variierenden Umweltbedingungen austesten, um ein tiefes Verständnis für die Konsequenzen ihres Handelns zu gewinnen und daraus bessere Entscheidungen für die Realität abzuleiten.