Rückblick 7. Jahrestagung 2013

Bericht zur 7. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für System Dynamics in Würzburg am 13. und 14. Juni 2013 (Rückblick als PDF)

Auf der 7. Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für System Dynamics (DGSD) am 13. Und 14. Juni 2013 in den Räumlichkeiten der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) standen die Herausforderungen, die die zunehmende Komplexität an Unternehmen und die Gesellschaft stellt, im Fokus der Diskussionen. Knapp 40 an System Dynamics Interessierte fanden den Weg zu unserem Gastgeber, der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der FHWS unter Leitung des Dekans Prof. Dr. Peter Bradl. An der Hochschule Würzburg-Schweinfurt wird System Dynamics seit mehr als zehn Jahren in der Fakultät Wirtschaftswissenschaften gelehrt und findet darüber hinaus auch in der Forschung Anwendung.

Die Tagung richtete sich, wie in den letzten Jahren, interdisziplinär an Wissenschaftler wie Praktiker, an Profis wie Neueinsteiger. So wurden im Rahmen der Tagung Ergebnisse aus Forschungsprojekten analysiert, Anwendungsfälle von System Dynamics in der Praxis vorgestellt und inhaltliche wie methodische Fragestellungen diskutiert. Der erste Tag der Veranstaltung konnte durch sein vielseitiges Programm bestechen. Begrüßt wurden die Teilnehmenden zunächst durch Professor Dr. Florian Kapmeier, Vorstand der DGSD für SD in Forschung und Lehre, Professor Dr. Robert Grebner, Präsident der Hochschule Würzburg-Schweinfurt, und Professor Dr. Peter Bradl, Dekan der wirtschafts-wissenschaftlichen Fakultät der FHWS.

Im Rahmen des Vortragsprogramms eröffnete Professor Bo Hu von der Universität der Bundeswehr in München mit seinem Gastvortrag über inklusives Wachstum und nachhaltige Finanzen den ersten Tag der Jahrestagung. Dieser Einblick in dieNutzung von System Dynamics für eine hoch aktuelle wissenschaftliche Fragestellung wurde gefolgt von einem Praxisvortrag von Herrn Dr. Werner Boysen der Dr. Boysen Consulting GmbH. Hier konnten die Teilnehmer der Tagung einen Eindruck davon erlagen, wie durch die Simulation mit System Dynamics eine Verbesserung von Entscheidungsprozessen in Management-Teams erlangt werden kann. Giovanni Provenzano von der Universität Siegen und der Firma Prima Welle eröffnete das Doktorandenkolloquium und stellte in seiner Präsentation einen Ansatz zur Modellierung von mehrstufigen, internationalen Produktionsnetzwerken vor.

Im Anschluss daran konnten Tagungsteilnehmer Fragen und Lösungsansätze zu Modellierungsproblemen mit den anderen SD-Modellierern besprechen, ihr Wissen zusammenführen, im Dialog neue Einsichten entwickeln und Anregungen zum Modellieren einholen. Dieses Jahr wurden in der „Modellklinik“ vier aktuelle Modellierungsprobleme aus Wissenschaft und Praxis besprochen: „Strategien aus evolutionsökonomischer Perspektive“, „Nachhaltige Energieversorgung im Transformationsprozess Tadschikistans“, „Ein neues archetypisches Verhaltensmuster?“ sowie „Risikomodellierung“.

Abgerundet wurde der erste Tag der 7. Jahrestagung mit einem informellen Austausch
bei lokalen Spezialitäten und einem Glas fränkischen Wein auf dem Bürgerspital Hofschoppenfest. Dabei konnte auch der abendliche Gewittersturm der guten Stimmung nichts anhaben.

Nach der Begrüßung der Teilnehmer und Teilnehmerinnen durch Prof. Dr. Jürgen Strohhecker, Präsident der DGSD, eröffnete Professor Dr. John Morecroft der London Business School das Tagungsprogramm des zweiten Tages mit seinen Gastvortrag zum Thema „Coordination, Complexity and Performance in Business and Society“. Professor Morecroft zeigte in seinem Vortrag die Ähnlichkeit zwischen sozialen und soziotechnischen Systemen anhand des Beispiels von zwei sich Liebenden, Romeo und Julia, und zwei miteinander in Verbindung stehenden Funktionen eines herstellenden Unternehmens eindrucksvoll auf.

Professor Dr. John Morecroft spricht über das World3-Model, Romeo und Julia sowie Oszillationen

Professor Dr. John Morecroft spricht über das World3-Model, Romeo und Julia sowie Oszillationen

Ein weiterer Höhepunkt war die daran anschließende Verleihung des Gert-von-Kortzfleisch-Preises. Dr. Lars Weber wurde im Rahmen der Tagung für seine Arbeit mit dem Titel „Aging and Shrinking Societies and the Consequences for Economic Growth – Simulations on a Demographic Growth Model“ als sechster Preisträger für seine außerordentliche, wissenschaftliche System-Dynamics-Arbeiten ausgezeichnet.

Präsident Prof. Dr. Jürgen Strohecker überreicht den Gert-von-Kortzfleisch-Preis an Dr. Lars Weber

Präsident Prof. Dr. Jürgen Strohecker überreicht den Gert-von-Kortzfleisch-Preis an Dr. Lars Weber

Im Anschluss an ein gemeinsames Mittagessen folgten zwei Praxisvorträge. Den Auftakt lieferte Dr. Heiko Spitzer der entellgenio GmbH. Er referierte über verschiedene Ansätze zur Abbildung und Optimierung des Übergangs in neue Stromnetzstrukturen im Rahmen der Energiewende. Daran anschließend stellte Maximilian Happach, der an der Universität Stuttgart tätig ist, ein System-Dynamics-Modell zur Simulation der Einführung des Einwegpfands in Deutschland vor und zeigte damit nicht intendierte Effekte dieser politischen Maßnahme auf.

Die Teilnehmenden folgten gespannt den Vorträgen

Die Teilnehmenden folgten gespannt den Vorträgen

In der Fortführung des Doktorandenkolloquiums der DGSD präsentierte Georg Hohberg von der Universität Stuttgart seine Arbeit zur räumlich-expliziten Simulation eines Mensch-Umwelt-Systems am Beispiel eines zum Teil unwegsamen Geländes in Tadschikistan – dies war der bisher erste Beitrag zum „spatial modeling“ auf einerTagung der DGSD. Anschließend folgte ein Vortrag von Katharina Wachter der Technischen Universität Braunschweig, in dem sie ein Simulationsmodell zur Analyse der Auswirkung von Herstellerverhalten auf die Marktdurchdringung alternativer
Antriebstechnologien vorstellte. Isabelle Gröticke der Justus-Liebig-Universität Gießen gab in ihrem Vortrag zum Thema „Einsatz von System Dynamics zur Modellierung des globalen Kupfersystems“ den Zuhörern einen Einblick in die Zusammenhänge und möglichen Entwicklungen des Kupfermarktes. Den Abschluss des Doktorandenkolloquiums bildete Katharina Tarnacki der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen mit einem Vortrag zu einem Forschungsprojekt zur Bewertung des Wassereinsparpotentials in einem Stahlwerk mit System Dynamics. An dieser Stelle möchten wir noch einmal auf die einmalige Chance zum Diskurs hinweisen, die das Doktorandenkolloquium den Vortragenden bietet. Wir hoffen, im kommenden Jahr wieder viele Doktoranden in den unterschiedlichsten Phasen ihrer Promotion begrüßen zu können.

Im Anschluss an die Jahrestagung fand die Mitgliederversammlung der DGSD statt. Der Vorstand berichtete über die Aktivitäten des vergangenen Jahres und über die solide Finanzlage des Vereins. Er wurde einstimmig entlastet. Anträgen des Vorstands zur Änderung der Rahmengeschäftsordnung Vorstand und der Satzung wurden entsprochen. Damit wurden begriffliche Unklarheiten beseitigt und das Wahlverfahren für zukünftige Vorstandswahlen vereinfacht. Die bisherige Beauftragte des Vorstands für Veranstaltungen, Katharina Wachter, wurde in den Vorstand gewählt.

Wir danken allen Beteiligten an dieser Stelle nochmals für die Vorträge und Diskussionsbeiträge der 7. Jahrestagung der DGSD in Würzburg. Wir danken dem Gastgeber, Peter Bradl, für die Möglichkeit die Tagung in den Räumen der FHWS zu veranstalten, und den Mitgliedern des lokalen Organisationteams, ganz besonders Frau Caroline Garbe.

Katharina Wachter & Florian Kapmeier