Rückblick 2. Jahrestagung 2008

Der 2. Workshop der Deutschen Gesellschaft für System Dynamics e.V. stand unter dem Leitgedanken „40 Jahre System Dynamics in Deutschland“. 47 an System Dynamics Interessierte kamen am 9. und 10. Juni 2008 an die Universität Mannheim zusammen. In den Räumen dieser Universität wurde unter Leitung von Prof. Dr. Gert von Kortzfleisch im Jahr 1968 das erste Mal eine System-Dynamics-Veranstaltung in Deutschland angeboten. Der Workshop bot die Möglichkeit, sich in entspannter Atmosphäre über System Dynamics auszutauschen, dabei unterschiedliche Blickwinkel und Perspektiven kennenzulernen und miteinander zu vergleichen sowie Ideen und Wissen auszutauschen.

Am Abend des 9. Juni gab es zwei Programmpunkte. Das traditionelle Beer Distribution Game wurde für diejenigen angeboten, die es noch nicht kannten bzw. es schon einmal gespielt haben und noch einmal die Herausforderung suchten. Alle unsere Teilnehmer hatten zuvor noch keine Aufgabe als Verantwortlicher in einer der 4 Wertschöpfungsstufen im Beer Game eingenommen. Das Ergebnis der Bier-Supply-Chain „EMBeer“ fiel typisch aus: Oszillation, Phasenverschiebung und Amplitudenverstärkung sind auf den folgenden Bildern gut zu erkennen.

Beer Distribution GameParallel dazu wurden im Nebenraum fünf unterschiedliche, von den Teilnehmern eingebrachte Modellierungsfragestellungen diskutiert: Preisentwicklung von Dieselkraftstoff, Dimensionale Konsistenz, Nachfrage und Angebot von Kraftstoff und Homogenität von Organisationen. Der Abend klang in einer Bar nicht weit vom Mannheimer Schloss aus.

P1020480Für den 2. Tag des Workshops konnten wir 3 Gastvorträge gewinnen: In seinem Vortrag über „Grenzen des Wachstums – Anlass, Aussagen, Aktualität“ sprach Professor (em.) Dr. Erich Zahn (Universität Stuttgart) über den Anstoß zur Club-of-Rome-Studie und ihre immer noch aktuellen Aussagen. Das berühmte „napkin model“ von Jay Forrstert zeigte Professor Zahn ebenso wie die Szenarioläufe des World3-Modells mit ihren Konsequenzen nicht nur für die Ökologie, sondern auch die Ökonomie auf der Erde.

Prof. Dr. E. Zahn (links) und Prof. Dr. Dr. h. c. P. Milling (rechts)Professor Dr. Kim Warren (London Business School) referierte darüber, wie die Stärke von System Dynamics in Verbindung mit etablierten Managementansätzen Managern verständlich gemacht werden kann. Er verband die im Strategischen Management etablierten Ansätze der Value Curve, Tipping Point und Erfahrungskurve mit System Dynamics.

P1020495Der besondere Höhepunkt des Vormittags war die Verleihung des erstmals ausgeschriebenen Gert-von-Kortzfleisch-Preises für wissenschaftlich herausragende System-Dynamics-Arbeiten. Ausgezeichnet wurde Frau Dr. Nadine Schieritz für ihre Arbeit „System Dynamics und die agentenbasierte Simulation – Eine Methodenintegration am Beispiel der Analyse von Wertschöpfungsnetzen“. Die Jury setzte diese Dissertation aus den eingesendeten Arbeiten auf Rang 1, da sie mit der „agentenbasierten Simulation sicherlich eines der wichtigsten Zukunftsthemen im Methodenvergleich und in der Methodenintegration mit System Dynamics sehr kompetent und objektiv abgehandelt hat.“ Die Dissertation „besticht durch solides Methodenwissen, eine neutrale Sicht und kritische Reflexion.“ Sie hat das Potenzial, „eine ernsthaft wissenschaftliche Auseinandersetzung mit einer verwandten Community zu starten. Damit kann das Vorurteil abgebaut werden, SD sei eine Art Sekte, die sich am liebsten nur mit sich selbst beschäftigt.“ Die „systematische, analytische Art, mit der die beiden Methoden verglichen werden, und die treffend gewählten Beispiele, überzeugen“ besonders. Außerdem ist die Integration grundlegender sozialwissenschaftlicher Sichtweisen sehr gut gelungen.

P1020493Verliehen wurde der Preis vom Jury-Vorsitzenden Professor Dr. Jürgen Strohhecker und Präsident Switbert Miczka.

Im Praxiskolloquium berichteten vier Teilnehmer über ihre Anwendererfahrungen mit System Dynamics. Hans Dieter Kasperidus (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung, Leipzig) beschäftigte sich mit der Anwendung von System Dynamics im strategischen Grünflächenmanagement und sprach dabei über Probleme, Perspektiven und Herausforderungen. Oliver Grasl (transentis management consulting, Wiesbaden) berichtete von seinen Erfahrungen mit System Dynamics zur Analyse und Simulation von Geschäftsmodellen. Kai Neumann (Consideo GmbH, Lübeck) stellte den von seiner Firma programmierten CONSIDEO MODELER vor, der Einsteigern und Fortgeschrittenen das Systemdenken erleichtert. Robert Weikl (TU Chemnitz und Robert Bosch GmbH, Stuttgart) beschäftigt sich mit dem aktuellen Thema der Bewertung externer Umwelteinflüsse für den Markt mit Dieseltechnologie.

Der Workshop wurde mit einem Doktorandenkolloquium abgerundet. Verena Krauer (Universität Stuttgart) berichtete in ihrer Präsentation „Kognitive Entscheidungsprozesse“ über Informationsverarbeitung und Risikoverhalten in strategischen Entscheidungssituationen. Die beiden Konzepte untersucht und betrachtet sie in ihrer Dissertationsarbeit ganzheitlich und dynamisch. Nici Zimmermann (Universität Mannheim und SUNY at Albany) hat im letzten Jahr schon einmal vorgetragen und schilderte ihren Arbeitsfortschritt, den sie während Ihres Forschungsaufenthaltes in der System-Dynamics-Gruppe bei Prof. Dr. George Richardson und Prof. Dr. David Andersen an der State University of New York at Albany erzielte. Thema ist der adaptive und selbstbestimmte Wandel in Organisationen, was sie am Beispiel des New York Stock Exchange untersucht. Im Mittelpunkt der Untersuchung steht das Zusammenspiel von endogen und exogen ausgelöstem Wandel in Unternehmen.

Wir danken allen Beteiligten an dieser Stelle nochmals für Ihre Diskussionsbeiträge und ihre aktive Beteiligung am Gelingen des 2. Workshops der Deutschen Gesellschaft für System Dynamics und den Gastgebern, der Universität Mannheim und dem Industrieseminar der Universität Mannheim für die tolle Organisation vor Ort. Wir freuen uns schon auf den nächsten Workshop, der für Sommer 2009 geplant ist.